Leipziger Volkszeitung: Dramatische Veränderungen

Durch die Diskussionsveranstaltung von IHK zu Leipzig, Europahaus und AGIL wurde auch die Leipziger Volkszeitung auf uns aufmerksam und brachte im Lokalteil einen Bericht über die Veranstaltung und die Pläne von rad3.

EU-Experte empfiehlt Leipzig ein Umsteuern in der Verkehrspolitik / Unternehmer will Lastenfahrräder anbieten
Was Leipzig von anderen europäischen Städten für seine Verkehrspolitik lernen kann, haben die Handwerkskammer zu Leipzig, die Industrie- und Handelskammer zu Leipzig sowie das Europa-Haus Leipzig ausgelotet. Zahlreiche Experten wurden dazu ins Ariowitsch-Haus eingeladen – darunter Siegfried Rupprecht, der über langjährige Erfahrung in der nachhaltigen Verkehrs- und Stadtentwicklung sowie in Sozial- und Wirtschaftspolitik verfügt.
Rupprecht, der auch regelmäßig von mehreren Generaldirektionen der Europäischen Kommission als ein unabhängiger Prüfer und Gutachter angefordert wird, um die Qualität von EU-Projekten in ganz Europa zu prüfen, korrigierte zahlreiche Denkansätze. Politiker hätten bei der Verkehrspolitik viel größere Handlungsspielräume als angenommen, sagte er. „Wer eine Stadt für Autos plant, der bekommt Autos in die Stadt. Wer eine für Fahrradfahrer und Fußgänger plant, der bekommt Fahrradfahrer und Fußgänger.“
Umsatzuntersuchungen in Münster hätten ergeben, dass Fußgänger über den Monat gerechnet den Innenstadtgeschäften viel höhere Umsätze bescheren als Autofahrer. Denn Fußgänger würden viel häufiger einkaufen und Autofahrer deutlich mehr Geld in Supermärkten am Stadtrand lassen. Und die meisten ansiedlungswilligen Unternehmen würden inzwischen Städte auswählen, in denen der Autoverkehr nicht so stark ist. Denn Städte mit hoher Lebensqualität seien für qualifizierte Arbeitskräfte deutlich attraktiver. Laut Modellrechnungen werde der Güterverkehr bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent wachsen, wenn nichts dagegen unternommen wird. Der Personenverkehr steige um 50 Prozent an; die Staukosten ebenfalls um 50 Prozent auf dann 200 Milliarden Euro jährlich. Immer mehr Bürger würden gegen diese Entwicklung aufbegehren. „Auch in Leipzig werden dramatische Veränderungen nötig sein“, so Rupprecht. Das Fahrrad sei „das nachhaltigste Verkehrsmittel, das es gibt“.
Alexander John vom Allgemeinen Deutsche Fahrrad-Club Leipzig (ADFC) berichtete, dass die hohen Treibstoffpreise das Lastenfahrrad zunehmend interessant machen. Es gebe in Deutschland schon drei Städte, in denen Handwerker ihre Wege mit Lastenrädern zurücklegen. Sie würden „von einer ganz anderen Wahrnehmung“ profitieren, keine Parkprobleme mehr haben und ihre Ziele besser erreichen.
In Leipzig will der Unternehmer Eric Poscher mit einem Team ab Juni Lastenfahrräder anbieten. Handwerker würden nur zu Beginn einer Baustelle viel Material mit dem Auto transportieren – dann aber nur noch mit wenig Material und Handwerkszeug unterwegs sein, sagte er in der Runde. Dafür seien moderne Lastenräder – auch mit Elektroantrieb – geeignet. Poscher will Handwerkern einen Mobilitätsmix sowie speziell konstruierte Lastenräder anbieten.
Vertreter der Leipziger Wirtschaftsverbände pochten darauf, das die Stadt den Unternehmen keinen Mobilitätsmix vorschreiben sollte. Jeder müsse die Freiheit haben, dass für sich und seine Mitarbeiter beste Fortbewegungsmittel zu wählen, hieß es. Andreas Tappert

2012-05-12_LVZ_Verkehrspolitik.pdf

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