Erdölfrei von der Karibik nach Leipzig

Transporträder bieten unzählige Möglichkeiten, den Alltag zu erleichtern, alles Nötige zu befördern und zu zeigen, dass im Gegensatz zum PKW, urbane Mobilität auch Spaß machen kann. Ähnlich wie mit dem Liegerad, hört man zahlreiche Reaktionen: Jugendliche finden die Räder cool, Bequemliche möchten am liebsten rumkutschiert werden, andere Fragen nach der Anzahl an Bierkästen, die auf das jeweilige Rad passen würden und wenn Eltern mit ihren Kindern von einer Proberunde zurückkehren, rufen die Kleinen „Schneller, schneller!“ und denken noch lange nicht daran auszusteigen. Auch wenn inzwischen einige sportlichere Modelle auf dem Markt sind und immer häufiger Lastenradrennen veranstaltet werden, wird das Lastenrad eher als urbanes Fortbewegungsmittel verstanden und war bisher nicht gerade für Reisen oder Langstrecken bekannt. Viele denken auch noch, dass es äußerst mühsam sein muss, ein Transportrad fortzubewegen, und ein Zusatzantrieb dabei mindestens notwendig wäre.

Während wir per Velo versuchen, die Verkehrs- und Energiewende voran zu bringen, kommen viele Produkte und Lebensmittel, die wir gerne nutzen und konsumieren in Containerschiffen zu uns, egal ob Kaffee, Schokolade, Smartphone oder Fahrräder. Die Ökobilanz des weltweiten Schiffsverkehrs wird relativ wenig diskutiert, obwohl die Schiffe schweres Heizöl verbrennen, und die 16 größten unter ihnen soviel Schwefelemissionen verursachen, wie der gesamte Autoverkehr weltweit.

Dem will Fairtransport etwas entgegensetzen und betreibt mit der ”Tres Hombres” das weltweit einzige Transportsegelschiff. Seit drei Jahren bringt das niederländische Unternehmen mit dem Schonerbrig Rumfäßer, Kakaobohnen, Schokolade u.a. mit purer Windkraft von der Dominikanischen Republik nach Amsterdam, wo der Rum abgefüllt und die Bohnen zu Schokolade weiterverarbeitet und mit dem Prädikat „fair transportiert“ angeboten werden. Interessierte können auf dem Schiff das Segeln nach der alten Schule lernen und so innerhalb Europas oder bis in die Karibik mitsegeln. Mit dem Ecoliner gibt es auch ein langfristiges Ziel, wie Güter wirtschaftlich und kostengünstig transportiert werden können und dabei größtenteils vom Wind angetrieben werden sollen.

Da war es naheliegend, den Gedanken von Fairtransport zu Lande fortzusetzen und eine kleine Menge der Spezialitäten per Transportrad nach Deutschland zu bringen. Eine Zuladung von ca. 40-50kg pro Fahrrad über längere Strecken zu befördern schien machbar, ob die etwas mehr als 700km in einer Woche zu schaffen sind, blieb jedoch eine Herausforderung. Für die Reise ausgewählt hatten wir das sportliche Omnium Cargo, bei dem die Ladefläche über dem Vorderrad platziert ist und das französische Douze Messenger, welches die Long John Bauweise mit einem ansprechenden Design auf den Stand der Technik bringt. Beide Räder haben Stahlrahmen und sind ganz neu auf dem Transportradmarkt.

Salomon Krug und Eric Poscher machten sich Mitte August auf den Weg. Entlang von Deichen, durch das unter dem Meeresspiegel gelegene Flevoland und durch die sanddünenartigen Endmoränen der Eiszeit ging es auf bequemen niederländischen Radwegen dahin. Gut geschüttelt wurde der Rum dann nach dem Grenzübergang beim befahren mancher deutscher Radwege. Erst der Teutoburger Wald ließ uns das zusätzliche Gewicht der Ladung spüren. Übernachtet wurde unterwegs bei Dachgebern, Mitgliedern der Warmshowers List oder Freunden, aber auch einmal im Freien.
Durchaus respektable Tagesetappen von 90- 120 Kilometer waren selbst mit Fracht auf dem Lastenrad möglich. In der Schlussetappe schafften wir sogar 25,4 km/h Schnittgeschwindigkeit über mehr als 60km. Auf langer Strecke konnte sich so ein Transportrad also gut behaupten, bis Leipzig waren es schließlich doch 863 km

Rum und Schokolade waren schon vorab als Gastgeschenke für all jene reserviert, die unser Vorhaben über ein Crowdfunding unterstützt hatten. Einige UnterstützerInnen konnten sich direkt entlang Route an Verkostungen bzw. den Produkten erfreuen, so unter anderem in Münster, Hannover, Braunschweig und Magdeburg. Eine Fortsetzung im kommenden Jahr ist in Planung, es besteht die Möglichkeit, selbst mitzuradeln und weitere regionale Spezialitäten mit auf die Reise zu nehmen. Wer am laufenden bleiben möchte, kann den Rundbrief von rad3.de abonnieren.

Fairtransport betreibt das Segelschiff Tres Hombres und transportiert Spezialitäten nach und innerhalb von Europa. http://fairtransport.nl/
Die Tres Hombres hat eine eigene Website. Interessierte können auf dem Schiff mithelfen und segeln lernen: http://www.svtreshombres.com/

rad3.de hat sich auf Vermietung, Verkauf und Entwicklung von Transporträdern spezialisiert, um nachhaltige Mobilität zu fördern. In Leipzig und darüber hinaus bietet das junge Unternehmen Fahrradverkostungen an, bei denen verschiedene Transportradkonzepte er-fahren werden können. Die 3 steht dabei für die dritte Dimension von Transporträdern und die Breite der Möglichkeiten & Nutzungen

Auf der Website findet man zahlreiche Blogbeiträge, Fotos und erlesene Produkte.
http://rad3.de

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