Räderlast oder Lastenrad?

Ein Beitrag von mephisto 97.6

http://mephisto976.de/news/raederlast-oder-lastenrad-47526 (19.01.2015, Sendezeit 19:00 Uhr)

Unser Reporter Andreas Funke ist eigentlich Großeinkäufer und häufig mit dem Auto unterwegs. Das Lastenrad hat es ihm trotzdem angetan.

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Auch sehr nachhaltig – ein Mini-Lastenrad, Foto: Ayla Nies

Um zehn Uhr war ich mit Eric Poscher bei rad3 verabredet. Doch ich habe am Morgen mal wieder die Zeit ein wenig aus den Augen verloren. Um zehn vor zehn stand ich also vor der Wahl: Nehme ich das Fahrrad, wie ich es meistens in der Stadt tue, oder fahre ich fix mit dem Auto rüber nach Lindenau, obwohl ich das sonst nur für den Großeinkauf oder längere Touren benutze? Ich entschied mich für die zweite Variante. Und es war ein Fehler. Nicht nur weil man von der Südvorstadt bis nach Lindenau mit dem Auto länger als zehn Minuten braucht, sondern weil an jeder Ampel an der ich stand die Fahrräder an mir vorbei huschten.
rad3 in Lindenau

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Foto: Ayla Nies

Mit dem Auto im Fahrradland

Ich kam also zu spät zu meinem Interviewtermin. Glücklicherweise bekam ich direkt vor dem Laden einen Parkplatz. Eine Sorge, die ich mir mit meinem Fahrrad aber gar nicht hätte machen müssen. Und gleich nach dem Aussteigen plagte mich auch schon das schlechte Gewissen. Einen Lastenräder-Test machen wollen und mit dem Auto ankommen, was das wohl für einen Eindruck bei meinem Interviewpartner macht!? So richtig wohl hab ich mich damit nicht gefühlt. Schließlich liegt der Laden in Lindenau, dem aufstrebenden Viertel voller kreativer, trend- und umweltbewusster Menschen. Und eigentlich weiß ich es ja auch. Das Fahrrad ist umweltschonender, es ist gut für die eigene Fitness und vor allem ist man häufig auch schneller. Und trotzdem nehme ich ab und zu das Auto – aus Bequemlichkeit. Und dann rede ich mir ein, dass ich schneller bin und viel leichter Sachen transportieren kann. Aber an diesem Tag lege ich mich auf das Fahrrad fest, trotz Großeinkauf.
Verschiedene Modelle im rad3 in Lindenau

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Foto: Ayla Nies

Holländische Wertarbeit

Der Laden von rad3 wirkt auf den ersten Blick wie ein normaler Fahrradladen. An den Wänden hängen Schläuche, Felgen und allerlei Zubehör. Erst auf den zweiten Blick merkt man, dass die Räder in diesem Laden etwas größer ausfallen. Eric Poscher begrüßt mich und zeigt mir verschiedene Modelle. Im Laden gibt es Zwei- und Dreiräder, mit Ladefläche vorn oder hinten oder mit einem Kasten aus Holz oder Metall. Ich entscheide mich für ein Bakfiets. Der Name setzt sich zusammen aus den niederländischen Wörtern ‚bak‘ für Kasten und ‚fiets‘ für Fahrrad. Und das beschreibt dieses Modell schon sehr gut. 2,25 Meter ist das Bakfiets aus den Niederlanden lang. Und damit in etwa so lang wie ein Smart.
mephisto97.6-Reporter Andreas Funke und Eric Poscher begutachten das Bakfiets

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Foto: Ayla Nies

Mit dem Fahrrad im Autoland

Mittlerweile setzen immer mehr Menschen in der Stadt auf dieses nachhaltige Transportmittel. Eric Poscher erzählt mir, dass auch die Logistikbranche anfängt, wieder auf das Lastenrad zu setzen, zumindest in den Innenstädten. Und das aus gutem Grund, denn das Potenzial ist sehr hoch. Einem EU-Projekt namens Cycle Logistics zufolge, könnten 51% aller innerstädtischen Gütertransporte auch mit Fahrrädern erledigt werden. Doch viele Leute würden einfach die Möglichkeiten von Lastenrädern gar nicht kennen. Und auch ich konnte mir bisher nicht vorstellen, schwere Wasserkästen mit dem Fahrrad zu transportieren.

Wie ich mit dem Lastenrad zurechtgekommen bin, gibt es als Audio-Beitrag nachzuhören und im Video zu sehen.

Mephisto97.6-Reporter Andreas Funke unterwegs mit einem Lastenrad, mit Musik von „Suedey“, jamendo.de , CC-BY 3.0

Auch finanziell im Vorteil

Etwa 1.500 Euro kostet das von mir getestete Rad. Und damit bin ich noch recht günstig unterwegs. Die Preisspanne variiert sehr stark bei diesen Rädern, je nach Größe und Ausstattung. Auf den ersten Blick klang das viel für mich. Wenn ich es aber ins Verhältnis zu den Kosten meines Autos setze, dann ist es halb so wild. Denn das verschlingt pro Jahr mehr Geld, als so ein Lastenfahrrad in der Anschaffung kostet. Allein die Fixkosten wie Steuern, Versicherung, TÜV oder Reparaturen kosten mich etwa 600 Euro jährlich, auch wenn ich das Auto kaum bewegen würde. Inklusive Spritkosten und Verschleißteilen schlägt mein elf Jahre alter Kleinwagen mit etwa 2.000 Euro im Jahr zu Buche. Wenn man das bedenkt, sind die 1.500 Euro für die Anschaffung eines Lastenrads gar nicht mehr so viel.

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